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Festus Hufbock


Text: Gesche Roestel, Hufpflegerin, Huftechnikerin und Dr. Alexander Wurthmann
Fotos und Redaktion: Dr. Alexander Wurthmann


„Festus“? Halt, denken sich da die älteren unter uns. Gab’s da nicht mal eine Fernsehserie in unserer Kindheit mit diesem kauzigen Faktotum namens Festus und seiner krächzenden Fistelstimme? Und so ist es. Von 1955 bis 1975 wurde „Rauchende Colts“ ausgestrahlt und inzwischen sogar in Wikipedia geadelt.


Foto: © otto&seebald GbR

 

Warum dieser schrumpelige Edelkomparse als Namensgeber für einen Hufbock dient, wissen seine Entwickler allein. Etwas kauzig ist auch die website der Leutchen aus Großostheim bei Frankfurt. Attention, friends and neighbors, eine website sollte immer ein leicht aufzufindendes Impressum aufweisen. Bad boys are looking for such sites to make money with Abmahnungen. In Großostheim hat man ursprünglich wohl mehr mit großen Wagen im Sinn gehabt als mit Hufen. Entwickelt wurde der Festus als – nicht erschrecken – Stütze für Anhänger aller Art.



Foto: © otto&seebald GbR

 

Drum wohl auch das Sternbild des großen Wagen an prominenter Stelle auf der website. Auch hier wieder putzige Comics aus der Welt der Panzerknacker und Goofies Dann schließlich findet man ein namenloses Pferd das stolz seinen Hufschmied vorstellt: Martin Schenk, ein Ex-Vorstandsmitglied des EDHV. Und pfiffiger weise wird aus der Anhängerstütze mit ein paar Modifikationen ein Hufbock. Warum nicht! Stabil muß so eine Anhängerstütz ja auch sein.

Produktbeschreibung

 

Beim Festus handelt es sich um ein dreifüßiges Stahlrohrgestell, das durch Gasoxidierung gegen Korrosion geschützt wird. Am Ende der Stahlrohre sind ovale Stahlplatten angebracht – die eigentlichen Füße – welche durch Gummistopsel gegen allzu frühes Verkratzen geschützt sind.



In der Mitte des Dreifußes sitzt eine Spindel an deren oberen Ende ein CNC-gedrehter Edelstahlkugelkopf sitzt. Die Spindel lässt sich mittels einer Flügelschraube arretieren. Steckt man über den Kugelkopf eine Gummikappe, so hat man einen stufenlos in der Höhe verstellbaren Hufbock klassischer Bauart.


Statt der Gummikappe kann man aber auch einen patentierten Hinterhufaufsatz auf den Kugelkopf stecken.


Dieser besteht aus einer Gabel, an dessen beiden Enden ein Gurt zur Aufnahme des Hinterhufes angebracht ist. Die Gabel lässt sich nicht arretieren.


Statt der Gabel kann man auch eine Sitzfläche aus verleimtem und mit Klarlack versiegeltem Schichtholz auf den Kugelkopf setzen. Kann man sich sogar in Gold lackieren lassen ...


Testbetrieb

Rein optisch ist der Hufbock auf Funktionalität und Stabilität gebaut. Ein neugieriger Metallbaumeister quittierte die Qualität der Schweißnähte jedoch mit Stirnrunzeln.


In der Anwendung steht der Bock sehr stabil, ein Umkippen (ausgelöst z.B. durch Pferde die ihre Beine durchdrücken) kann zusätzlich verhindert werden, indem man sich auf die Füße des Bocks stellt. Sehr praktisch sind die Aufsätze zum umstecken, der Hinterhufaufsatz ist durch das Kugelgelenk drehbar, was bei der Arbeit ermöglicht, den Bock irgendwie zu platzieren und die Schlinge dann in der gewünschten Richtung auszurichten.

Lästig ist wie bei allen Spindel-Hufböcken die Höhenverstellung. Wenn man bei der Bearbeitung zwischen Pferd und Pony wechselt oder den Bock zum Transport im Auto tiefer stellen muß und das möglicherweise mehrfach am Tag, dann macht dieser Hufbock keinen Spaß, weil das sehr zeitintensiv ist.

Auch ist die Flügelschraube eigentlich überflüssig, da man die Hufe meist durch die Beine fixiert. Dabei kommt keine Drehung auf das Gewinde, weswegen man die Schraube im Einsatz nicht festzuziehen braucht und eigentlich weglassen könnte. Zumal sie eine Verletzungsgefahr darstellt, falls ein Pferd abrutscht und an der Flügelschraube hängen bleibt. Weitere Verletzungsgefahr entsteht durch die Querverstrebungen, die von den Abständen her Platz zum Durchrutschen eines kleinen Hufes zulassen mit vorstellbarem Effekt.


Wie haltbar die Schlinge und die Kappe auf lange Sicht sind, kann schwer eingeschätzt werden, aber wahrscheinlich ist die Kappe ein Verschleißartikel, der je nach Nutzung früher oder später ersetzt werden müsste, da man da aus verschiedenen Gründen doch hin und wieder mal reinraspelt oder mit dem Messer hängen bleibt.

 

Preis

Ein sinnvolle Kombination besteht aus Festus mit Kappe und Hinterhufaufsatz. Das macht dann € 325 – wobei man bis in die AGBs suchen muß, um zu erfahren, ob die genannten Preise MwSt enthalten. Tun sie. Dennoch: kein Discount-Angebot. Vergleichsweise günstig ist eine Ersatzkappe mit 8 €. Teuer dagegen der Hinterhufaufsatz mit 90 €. Wer den Holzsitz begehrt, bestelle sich nicht den Komplettsatz für 490 €, sondern den Bock wie oben empfohlen und separat den Sitz für zusammen 475 €. Lustig nicht? Festus musste ja auch nicht rechnen können, sonder nur schießen ...

 

Fazit

Preislich liegt Festus am oberen Ende der Skala. Die Höhenverstellbarkeit lösen andere Hufböcke besser, wenngleich nicht immer stabiler. Highlight ist der aufsteckbare Hinterhufaufsatz. Das schmatzende Geräusch beim Wechseln ist ein geradezu sinnliches Erlebnis. Das passt hör- und spürbar.

Alles in allem ein guter Hufbock. Wenn man das Verletzungsrisiko minimieren würde (allem voran die Querverstrebungen), die Handlichkeit in der Höhenverstellung noch verbessern würde, dann würden wir sogar sagen, dass dies ein sehr empfehlenswerter Hufbock ist.


Kontakt zur Autorin

Bezugsquellen

Herstellung und Vertrieb:

Otto&Sebald GbR
Waldstr. 15
D 63762 Großostheim
Tel. 069/29721857
webmaster@da-wode.de
www.da-wode.de

 


Alle Rechte, auch der Übersetzung in fremde Sprachen liegen bei der BESW Hufakademie. Kein Teil der Publikation darf ohne schriftliche Genehmigung der BESW Hufakademie in irgendeiner Form – durch Photokopie, Mikroverfilmung oder irgend ein anderes Verfahren – reproduziert oder in eine von Maschinen, insbesondere von Datenverarbeitungsmaschinen, verwendbare Sprache übertragen werde, das gilt auch für jedwede digitale Verarbeitung oder Verwendung in Datennetzen.

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