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Testbericht Renegade Hufschuh
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Text und Fotos: Manuela Volk, Hufpflegerin und
Huftechnikerin und Dr. Alexander Wurthmann |
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Aus Arizona sind schon viele gute Hufschuhe zu
uns gekommen. Immerhin ist in Tucson die Zentrale von Easy Care.
Nun also Kirt Lander vom Südrand des Grand Canyon im Westen
Arizonas. Drei Jahre entwickelte er den Renegade Hufschuh. Kirt
Lander, der selbst als Barhufbearbeiter (Natural Hoof Care) tätig
ist und mit Barhufpferden an Distanzrennen teilnimmt, war zunehmend
frustriert über die auf dem Markt verfügbaren Hufschuhe.
Zu schwierig anzuziehen und/oder die Biomechanik der Hufkapsel
und des Pferdes wurde zu sehr missachtet. Sein Hauptanliegen war
daher die Entwicklung eines Hufschuhs für die besonderen
Bedürfnisse des barhuf gehenden Distanz-Pferds. Damit stellte
er sehr hohe Ansprüche an seinen Hufschuh. Mit Hintergrundwissen
in Industriedesign und Produktion begann er, den Hufschuh seiner
„Träume“ zu entwickeln. Etwa 20.000 Stunden dauerte
die Entwicklung. Sie schloß Tests mit mehr als einem Dutzend
Endurance-Teams ein, die mehrere Tausend Testmeilen in rauestem
Terrain im Südwesten der USA absolvierten. Kirt Lander sagt
daher vom seinem Renegade, er sei der am gründlichsten entwickelte
und am meisten getestete neue Hufschuh auf dem Markt. Der Schuh
wurde nicht nur in den USA entwickelt, sondern wird dort auch
hergestellt, worauf Kirt Lander besonderen Wert legt.
Produktbeschreibung Der Renegade Hufschuh
besteht aus einer hinten offenen Schuhkapsel aus Polyurethan, einem
Ballenhalter aus weichem Kunststoff, der mit sehr weichem Neopren
gepolstert ist, einem mit dem gleichen, weichen Neopren gepolsterten
Fesselriemen und einem Zehenriemen. Beide Riemen sind mit einem
Klettverschluss versehen. Der Ballenhalter ist über Drahtseile
mit der Schuhkapsel verbunden und hält auf diese Weise den
Renegade am Huf. Die Sohle des Schuhs ähnelt dem eines Kunststoffbeschlages.
Der Abrollpunkt ist an der Zehenfront des Schuhs zurückgesetzt
und soll gutes, ermüdungsfreies Abrollen ermöglichen.
Die Sohle des Schuhes ist schmaler als die Schuhkapsel und erlaubt
dem Pferd damit ein leichtes und schnelles Abrollen auch in Wendungen.Den
Renegade Hufschuh gibt es in den Größen 00 bis 2 und
neuerdings in 2W – letzterer offenbar allerdings vorerst nur
über den Hersteller aus den USA direkt. Ein Renegade Größe
0 wiegt 350g und als nette Dreingabe gibt es den Schuh in acht verschiedenen
Farben, die zum Teil für Hufschuhe etwas ungewöhnlich
sind.
In Deutschland allerdings
zunächst nur in der Farbtönen „Dragon Fire Red“,
„Arizona Copper“ und „Black Knight“ (Nr.
2, 4 und 8).
Kleine Noppen im Inneren des Schuhes geben zusätzlichen Halt gegen das Verdrehen des Hufs im Schuh.
Der Hersteller versendet mit jedem Paar Hufschuhe
Ersatzklettriemen und Gummischlaufen, da diese offenbar als Verschleißteile
angesehen werden.
Die Klettriemen und
deren Polster, die Gummischlaufen, das Ballenpolster und das Justierungskabel
können bei Bedarf ausgetauscht und einzeln erstanden werden.
Die Enden der Riemen sollten zwischen 1,5 und 2 cm durch die Gummischlaufen überstehenden. Wenn der Zehenriemen mehr als 2 cm übersteht, sollte der Renegade über die vorhandenen Kabel justiert werden (vgl. unten), da die Kontaktfläche des Klettverschlusses und damit der Halt des Schuhs vermindert wird. Die Riemen sollen „mit Gefühl“ gespannt werden und nicht extra stark oder zu lose, nur damit der Riemen den richtigen Überstand hat. Das richtige Maß an Spannung lässt man sich am besten beim Anpassen der Schuhe durch Hufexperten zeigen. Anpassen Im allgemeinen passt
der Renegade Hufschuh auf mehr Hufformen, als man zunächst
vermutet. Sollte es aber dennoch nötig werden, gibt es drei
Möglichkeiten, den Renegade an den Huf anzupassen. Zum einen
kann man die Weite des Renegade über die zwei Kabel justieren,
mit denen der Ballenhalter mit der Schuhkapsel verbunden ist. Die
Kabel werden im Inneren des Schuhs zur Schuhspitze geführt,
wo sie in einer Klemme arrettiert werden, welche in der Schuhspitze
versenkt ist. Rechts sehen Sie einen aufgeschnittenen Renegade mit
dem Innenleben der Schuhspitze.
![]() Die Kabel lassen sich wie im folgenden beschrieben lösen und in der Länge verstellen. Am Schuh ist eine unterschiedliche Anzahl von Markierungspunkten - mal unterhalb mal oberhalb - des Kabels angebracht. Auf dem Kabel selbst befindet sich eine rote Markierung. Wenn das Kabel zur Klemme hin verschoben wird, wird die Länge des Zehenriemens verkürzt, der Ballenhalter liegt enger an. Und umgekehrt natürlich.
Um das Kabel zu lösen,
wird mit einem kleinen flachen Schraubenzieher die Kabelklemme soweit
herausgeklappt, so dass die Madenschrauben, mit denen die Kabel
festgeklemmt sind, zugänglich werden.
In dem „Ersatzteiltütchen“
befindet sind ein 1/16“ Inbusschlüssel. Mit diesem dreht
man die Madenschrauben ca. 2 ½ Umdrehungen heraus.
Ärgerlich: Leider
passen nicht alle mitgelieferten Inbusschlüssel in die Schrauben.
Zur Justierung muss der Zehenriemen geöffnet werden.
Die Kabel sind jetzt für die Justierung lose und können verschoben werden.
Man muss allerdings
sehr vorsichtig sein, um die Kabel nicht herauszuziehen! Man schiebt
den Ballenhalter leicht nach vorne, damit das Kabel sich leicht
ausbeult. Mit einer kleinen Zange lässt es sich fassen und
man kann es dann in die gewünschte Position verschieben.
Das ausgebeulte
Kabel wird mit einem Daumendruck durch die Kabelklemme geschoben.
Dieser Vorgang muss auf beiden Seiten durchgeführt und
das Kabel auf beiden Seiten bis zur gleichen Markierung gekürzt
werden. Muss das Kabel mehr als drei Markierungen verkürzt
oder verlängert werden, ist das evtl. ein Hinweis, dass
die Schuhgröße nicht zur Größe oder
Form des Hufes passt.
Um die Kabel in der Kabelklemme wieder festzuklemmen, schraubt man die Madenschrauben abwechselnd, langsam wieder zu. Dadurch werden die Kabel gleichmäßig geklemmt. Dreht man die Madenschrauben zu fest zu, können die Kabel beschädigt werden. Die Kabelklemme wird in die Ausgangsposition zurückgedrückt.
Der Vorgang der Justierung
wird auf der website des Herstellers wiederum sehr ausführlich
und reich bebildert geschildert. Er ist sehr fummelig und
ich kann es nur jedem, der weniger mit Hufschuhen Erfahrung
hat, nahe legen, dies jemanden durchführen zu lassen,
der professionell mit Hufschuhen zu tun hat und in deren Anpassung
geübt ist. Daß dieser Teil der website nicht ins
Deutsche übersetzt wurde, sollten alle als gut gemeinte
Hürde verstehen, es nicht selbst zu versuchen. Sollten die Kabel herausrutschen
oder gar die Madenschraube aus der Kabelklemme herausfallen,
verlangt die Wiedereinführung mit hoher Wahrscheinlichkeit
höhere mechanische Fähigkeiten. Ich kann niemandem
empfehlen, dies auszuprobieren. Wir wollten diesen GAU in
Anbetracht der zu erwartenden Schwierigkeiten auf keinen Fall
ausprobieren. Drum gibt es davon auch keine Fotos. Auf der
website von Renegade gab es dafür wohl mal nicht ohne
Grund eine Unterseite mit Ratschlägen zur Wiedereinführung
des Kabels und eine zur Wiedereinsetzung der Madenschraube.
Beide Unterseiten sind jedoch aus dem Netz genommen worden.
Die zweite Methode zur Anpassung der Renegades erfolgt mit dem Nipper. Hat das Pferd eher runde Hufe und der Renegade steht hinten über die Hufe hinaus, ist es gerade an der Vorderhand nötig, die Schuhe zu kürzen, um ein Greifen mit den Hinterhufen in den überstehenden Sohlenteil zu verhindern. Der Überstand
kann ca. 5 - 7mm hinter den Trachten mit dem Nipper gekürzt
werden. Dies sollte ebenfalls unbedingt einem Fachmann überlassen
werden, der über ausreichende Erfahrungen mit Hufschuhen verfügt!
Die Kanten werden mit der Raspel gesäubert.
Die dritte Möglichkeit zur Anpassung des Renegade Hufschuh verlangt ebenfalls eine gründliche Ausbildung. Hier kommt VETTEC Adhere – ein Kunsthorn - zum Einsatz. Dieses wird an den erforderlichen Stellen im Renegade angebracht, um ihn schmaler zu machen.
© Lander Industries Inc.
Eine Anleitung dazu
gibt es ebenfalls – diesmal allerdings etwas versteckt –
auf der website des Herstellers. Wer kein geprüfter Huftechniker
ist oder als Hufschmied über umfangreiche Erfahrung mit Kunsthorn
verfügt sollte unbedingt die Finger hiervon lassen. Es besteht
die Gefahr, dass der Renegade Hufschuh entweder permanent am Huf
festgeklebt wird oder der Kleber sich aus dem Renegade löst.
In Anbetracht der nicht unbeträchtlichen Kosten für Schuh
und Kunsthorn raten wir dringend von Experimente ab. Schließlich,
wer das Kunsthorn ungeschickt aufbringt, kann die Gliedmaßenstellung
verändern. Also liebe Kinder: Dies ist kein Chemiebaukasten.
Macht es keinesfalls zu hause nach! Mit unseren Renegades wollten
wir die Anpassung per VETTEC Adhere nicht ausprobieren, da diese
passten.
Aber vielleicht spendiert Kirt Lander mal ein Päarchen für einen follow-up-test, den wir dann natürlich nur den Profis zugänglich machen. Kirt Lander ist sich der Herausforderung einer Anpassung seines Renegade bewusst. Er gibt auf seiner website, auf der Unterseite „Availability“ (Verfügbarkeit) ganz eindringlich den Rat, die Anpassung von einem Hufexperten vornehmen zu lassen. Er verkauft die Renegades daher nur an Hufexperten. Herzlichen Glückwunsch für so viel Konsequenz! Auf der website gibt es gar keine Bestellmöglichkeit. Doch halt, am Ende der Seite „Availability“, findet sich ein Link zu „Boot Sales“. Klickt man drauf, kommt man auf eine kleine Seite mit dem Hinweis, man habe wohl die vorherige Seite nicht ganz gelesen, auf der stehe, dass nur über Hufexperten verkauft werde. Man könne hier nichts kaufen. So ein Schlingel! Immerhin, beruhigend zu wissen, dass er bei aller Ernsthaftigkeit noch zu Scherzen fähig ist ... Anziehen Das Anziehen wird sehr
gut verständlich auf dem reich bebilderten Beipackzettel beschrieben.
Sollte der Zettel einmal abhanden kommen, kann man ersatzweise die
website des Herstellers besuchen, die vom deutschen Händler
übersetzt wurde.
Man öffnet
also zunächst den Fessel- und Zehenriemen
und klappt den Ballenhalter
nach hinten
Den aufgehaltenen Huf
einfach in den Schuh stecken
Darauf achten, dass
der Huf mittig im Schuh steckt.
Leichtes Anklopfen des
Schuhes mit der Hand auf die Zehe genügt. Dann zieht man den
Ballenhalter über die Ballen
Nach dem Absetzen des
Hufes überprüft man Sitz und Position des Ballenhalters.
Es ist wichtig, dass der Ballenhalter gut auf den Ballen sitzt;
nur so kann der Druck gleichmäßig auf die Ballen verteilt
werden. Sitzt er zu niedrig, kann es sein, dass die Ballen aus dem
Schuh rutschen. Bei zu hohem Sitz besteht die Möglichkeit,
dass er an der Fessel reibt.
Den Zehenriemen leicht
ankletten, damit das Pferd nicht versehentlich darauf tritt
... und den Fesselriemen
einfädeln und schließen, indem man zwei Finger zwischen
Fesselbein und Fesselriemen einlegt. Der Fesselriemen soll nicht
stramm angezogen werden!
Den Klett fest andrücken,
das Ende durch die Gummischlaufe fädeln und den Sitz noch einmal
prüfen.
Der Zehenriemen wird
gespannt, indem man mit einer Hand den Riemen auf der Innenseite
und mit der anderen Hand die Metallkabelverbindung auf der Außenseite
leicht anzieht. Auf diese Weise wird der Ballenhalter gleichmäßig
an den Ballen gezogen. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass der
Ballenhalter nicht schief an den Ballen gezogen wird.
Mit „Gefühl“
spannen, damit die Zehenlasche des Renegade gut anliegt. Pferde
wollen genauso wenig wie wir Menschen in zu eng anliegenden Schuhen
laufen…
Auch hier den Klett
gut andrücken und das lose Ende durch die Gummilasche führen.
Den Sitz des Hufschuhes
noch einmal kontrollieren und fertig.
Ausziehen Den Fesselriemen aus
der Gummischlaufe lösen und den Riemen öffnen.
Der Zehenriemen muss
zum Ausziehen nicht geöffnet werden. Einfach den Huf aufheben
und den Ballenhalter nach hinten klappen.
Mit dem Daumen den Schuh
leicht herunterdrücken und den Schuh vom Huf ziehen.
Testbetrieb Durch eine Freundin
wurde ich auf den Renegade Hufschuh aufmerksam. Seine Entwicklungsphase
war damals noch nicht abgeschlossen und ich verfolgte die Testphase,
da mir der Hufschuh wegen des damit verfolgten Ansatzes und seines
Designs gut gefallen hat. Mehr als neugierig habe ich mir Anfang
Juni ein Pärchen Größe 0 besorgt
Getragen werden die Renegades von Gharim, 9jähriger AV-Hengst mit kurzem Rücken und einem starken Antritt der Hinterhand. Gharim war früher im Frühjahr/Sommer mit Kunststoff oder Alu beschlagen, winters trug er Marquis Supergrip. Seit knapp zwei Jahren haben wir ganz auf barhuf umgestellt und waren seither mit Easyboot Bare vorne Größe 1 und hinten Größe 0 unterwegs.
Im Winter letzten Jahres
wurden die meisten Waldwege unserer Region frisch mit grobem Schotter
bestückt und vom Stall bis zum Reitgelände geht es ca.
10 – 15 Min auf Asphaltwegen. Da wir sehr gerne unterwegs
sind, geht es jede Woche an 5 – 7 Tagen für mindestens
1,5 – 3 Stunden ins Gelände.
Erste Eindrücke Nachdem ich den Renegade
ausgepackt hatte, habe ich ihn zuerst mal auf die Waage gestellt
und leicht erstaunt festgestellt, dass er 350 g wiegt. Er fühlt
sich deutlich leichter an. Seine Verarbeitung hat mir gut gefallen.
Der Schuh liegt gut ausbalanciert in der Hand. Bei mehreren Paar
Renegades musste ich jedoch feststellen, dass die Klettstreifen
des Fesselriemenpolsters nicht passgenau aufeinander geklettet sind.
Dies sollte vor der
ersten Anwendung korrigiert werden.
Dabei sollte man auch
gleichzeitig die Gummischlaufe des Fesselriemens vom Klettriemen
ziehen. Hier noch mal der falsche (rechts) und der korrekte (links)
Zustand.
An den Hufschuhen für
die Vorhand habe ich mit der Raspel eine zusätzliche Zehenrichtung
angeraspelt (links im Bild), da Gharim durch seinen kurzen Rücken
(109 cm) zum Greifen neigt.
Bei der ersten „Anprobe“
war ich dann erst einmal etwas irritiert. Das geht ja so was von
leicht, ohne eine besondere Technik anzuwenden. Kein Schlag mit
der Faust nötig, kein Würgen … Schuh aufklappen,
Huf reinstecken, Schuh zuklappen, Riemen schließen. Ob das
wirklich hält?
Um mir das Laufverhalten in aller Ruhe anschauen zu können, ging es erst einmal an der Hand spazieren. Gharim zeigt im Renegade einen sehr raumgreifenden, freien Schritt mit Trachtenlandung wie mit einem NBS-Beschlag. Schon nach wenigen Minuten ist mir klar, dass ich die Schuhe auch für hinten will!
Am ersten Testtag hatte
es kurz geregnet und wir sind gleich mal über einen frisch
abgemähten Wiesenhang gegangen. Auf dem nassen, kurzen Gras
ist Gharim mit der unbeschuhten Hinterhand kurz gerutscht, vorne
mit den Renegades nicht ein einziges mal! Das lässt sich ja
mehr als gut an… Zu Hause beim Ausziehen die nächste
Freude: kein Geziehe und Runterwürgen – Schuh einfach
aufklappen und ein leichter Druck mit dem Daumen – fertig!
Trotz untergeschobener
Trachten passt Gharim hinten in die 00er, da der Schuh ja hinten
offen ist. Dadurch ergibt sich natürlich ein deutlich früheres
Abrollen der Hinterhand und gleich beim ersten Ritt war klar, dass
wir die nächsten Tage erst mal langsam und vor allem kürzer
unterwegs sein würden, da sich Gharims Bewegungsablauf deutlich
durch die neuen Schuhe verändert und die Muskulatur sich umbilden
wird. Gharim geht locker, frei und „rund“ mit den Renegades.
Es ist mehr Bewegung im Rücken.
Der erste Trab und die nächste Verblüffung:
mit raumgreifenden, schwebenden Tritten, den Schweif über
den Hintern geklappt, kraftvoller Antritt der Hinterhand.
So hat sich Gharim unter dem Sattel schon lange nicht mehr
präsentiert! (Traben ist nicht gerade die Stärke
meines Arabers…). Nach dem ersten maßvollen
Galopp ein kurzer Blick – Schuhe noch da. Also auf
zu einer unserer „Rennstrecken“. Auch arabischer
Highspeed ist kein Problem! Am nächsten Tag
will ich es dann wissen und halte Gharim an einer der Lieblingsgaloppstrecken
zurück. Er ist heute richtig gut drauf und baut sich auf. Ich
gebe die Zügel hin und Gharim schießt los wie aus der
Startbox. Hinter uns fliegen Schottersteine durch die Luft, aber
keine Renegades!
In der Nacht gab es heftige Regenschauer und tags drauf beim ersten frisch gepflügten Acker biege ich ab. Schritt, kurzer Trab, leichter Galopp – Renegades dran!
Gleich den Berg runter,
Asphalt, ca. 12% Gefälle. Der Grip trotz mit Lehm vollgepappter
Sohle einwandfrei. Kurz durch den Grünstreifen reiten und die
Schuhe sind fast sauber! Meine Begeisterung steigt immer mehr.
Mit den Renegades durchs
Unterholz und Tannenreisig. Zurück auf den Waldweg, absteigen,
nachschauen.
Wider erwarten sind
die Klettriemen weder mit Gras noch mit Reisig bestückt.
Das An- und Ausziehen ... ist wirklich so was von leicht! Kein Ziehen und Zerren und kein Geklopfe mehr an Gelenken und Sehnen! Anfangs nervte mich das Gefummel mit dem Fersenriemen, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt. Die Renegades sind nach zweimaliger Anwendung schnell drauf- und noch schneller wieder runtergebaut.
Laufverhalten Konzeptionell bringt
der Renegade Hufschuh einiges mit, um das Laufverhalten zu erleichtern.
Die flexible Verbindung aus Schuhkapsel und Ballenhalter ermöglicht
eine größere Beweglichkeit des Hufgelenks, als dies bisher
bei Hufschuhen üblich ist, die über den Ballen befestigt
werden. Diese Beweglichkeit ist ansonsten nur bei Hufschuhen zu
beobachten, die über einen Trachtenriemen am Huf befestigt
werden. Dafür muß bei diesen allerdings eine geringe
Einschränkung der Trachtenbeweglichkeit in Kauf genommen werden.
Genau dies ist beim Renegade aber nicht der Fall. Scheinbar ist
hier das beste aus zwei Welten kombiniert: Beweglichkeit im Hufgelenk
und Erhalt der Trachtenbeweglichkeit. Aber wie wirkt sich das alles
aus? Wie also ist Gharims Laufverhalten?
Ein Traum! Das hat mich am meisten von
diesem Schuh überzeugt und ich möchte Kirt Lander
ein dickes Lob aussprechen! Gharims Schritt ist durch den
Renegade wieder deutlich raumgreifender und eleganter geworden.
Schritt, Trab, und Galopp fühlen sich leicht und schwebend
an – wie es bei einem Vollblutaraber eben sein soll!
Auch über längere
Strecken ist ein ermüdungsfreies Laufen möglich. Selbst
in tieferem Boden oder auf längeren Ritten ist das Greifen
bei Gharim im Renegade verschwunden.
Wirtschaftswege, tiefere Fahrspuren und
auch andere Bodenunebenheiten bewältigt Gharim mit
den Renegades deutlich besser als in den von uns bisher
benutzen Hufschuhen; vor allem bei seitlichen Unebenheiten.
Bei engen Wendungen setzt Gharim deutlich weiter unter und
auch die Hankenbeugung ist deutlich verbessert gegenüber
anderen Hufschuhen. Er scheint im Renegade ein viel besseres
Gefühl für die Bodenverhältnisse und seinen
Bodenkontakt zu haben. Gharims Muskulatur hat sich
mit dem Tragen der Renegades verändert. Sein Bewegungsablauf
ist viel harmonischer geworden. Außerdem ist das der
erste Hufschuh, der arabisches Schreiten ermöglicht!
Bisher sah das eher immer aus wie „Araber in Hausschlappen“.
Grip Den Grip der Renegade
Hufschuhe testen wir noch einmal auf einem plangezogenen Waldweg.
Diesen Weg meiden wir an nassen Tagen, da er leicht abfällt
und daher sehr rutschig ist. Jetzt, nach längerem Regen, ist
die Oberfläche des Weges ganz schön schmierig.
Gharim geht anfangs
wie gewohnt mit kurzen Schritten. Ich bemerke aber, dass er
immer mehr Vertrauen zum Untergrund gewinnt und zügiger
vorangeht.
Auch an anderen matschigen
Stellen und auf Asphalt ist der Grip deutlich besser als mit
anderen Hufschuhen, die wir bisher getragen haben. Kurzes,
nasses Gras ist selbst den Berg hinunter ohne zu rutschen
zu bewältigen. Allerdings muss ich auch anmerken, dass
Gharim allgemein enorm trittsicher und sehr gut ausbalanciert
ist.
Beim Losschießen
aus dem Stand oder Schritt in den Galopp greift die Hinterhand
gut, der Schub ist sogar noch einen Hauch heftiger als sonst!
Es gibt einige „schmierige“ Stellen, die wir regelmäßig
begehen. Gharims Trittsicherheit ist dort auf jeden Fall besser
als früher. Als die Waldwege Mitte September durch den
Regen alle etwas „schmierig“ sind, rutscht Gharim
nicht weg.
Das Verhalten bei Schnee
bleibt abzuwarten und wird nachgereicht. Für den harten
Wintereinsatz können in die Sohle der Renegade-Schuhe
zusätzlich Spikes eingeklebt werden, die allerdings wohl
nur über den Hersteller zu beziehen sind.
Schmutzempfindlichkeit Obwohl der Renegade
hinten offen ist, hatten wir auch nach splittbestreuten Wegen
kein einziges mal Steinchen im Schuh. Das Innere des Schuhes
ist zur Reinigung leicht zugänglich. Nach starker Verschmutzung
habe ich die Schuhe in einem Eimer Wasser mit einer Wurzelbürste
sauber geschrubbt.
Auch das Gitter des
Ballenpolsters lässt sich gut säubern. Angetrockneten
Schmutz kann man einfach mit einem Hufkratzer am gesamten Schuh
entfernen. Die Polster kann man mit einem trockenen Tuch gut von
angetrocknetem Schweiß und Schmutz reinigen. Das Material
ist von einer guten Qualität und es wird selbst beim Trocknen
in der Sonne nichts hart. Gerade Fessel- und
Zehenriemen sollten von getrocknetem Schmutz befreit werden,
damit ihre Schließkraft nicht gemindert wird. Die Klettriemen
sollte man hin und wieder mit einer Klettbürste säubern.
Werden die Renegades mit Wasser gereinigt, müssen die
Klettverschlüsse gut abgetrocknet werden. Ihre Schließkraft
ist sonst stark vermindert.
Auch wenn wir uns mal
wieder durch Gestrüpp und Unterholz geschlagen haben, hängt
so gut wie nie etwas an den Klettbändern oder an den Kabeln.
Tragekomfort Der Ballenhalter und der Fesselriemen sind
mit weichem Neopren unterlegt. Kein Fellabrieb, kein Scheuern,
keine Druckstellen. Nur einmal, nachdem wir eine längere
Strecke durch überständiges Gras geritten sind,
hatte es Gharim nach der Heimkehr etwas eilig, die Hinterschuhe
loszuwerden. Im Ballenbereich klebten einige Grassamen.
Dieses Verhalten zeigte er vorne nie und hinten nur dieses
eine mal. Auch am nassen Huf zeigten sich keine Trage- oder
Scheuerspuren vom Schuh.
Als ich den Zehenriemen
einmal so stark wie nur möglich angezogen habe, zeigte Gharim
deutliches Unwohlsein. Unter und am Fesselriemen bleibt selbst beim
Durchreiten von Unterholz kaum etwas hängen. Wie sich Sand
auswirkt, konnte ich noch nicht testen. Auch nach Ritten von über
vier Stunden zeigt Gharim keinerlei Unbehagen. Das An- und Ausziehen
ist ihm nicht unangenehm.
Sitz am Huf Der Renegade wurde
in der Testphase dreimal verloren. Der erste „Verlust“
war eher beabsichtigt. An diesem Tag ritt ich mit nur sehr
lose geschlossenem Zehenriemen. Ich wollte einfach wissen,
was dann passiert. Erst beim zweiten Galopp flog der Schuh
hinten links davon. Der Schuh lag auf dem Weg, es gab kein
großes Suchen und es war nichts kaputt gegangen. Huf
aufhalten, Renegade draufbauen und weiter ging es.
Der zweite Verlust
war ebenfalls bei Galopp und wieder hinten links. Schon beim
Anziehen bemerkte ich, dass der Ballenhalter an diesem Huf
etwas schwerer hochzuziehen war. Am Ende der zweiten Galoppstrecke
flog der Schuh davon und nachdem ich den Renegade wieder angezogen
hatte, war mir auch klar warum: Die Hufe waren durch das ständige
Hufschuhtragen etwas länger als gewöhnlich geworden…'
Beim dritten Mal gerieten
wir in ein Gewitter und trabten die letzten Meter zum Hof, als Gharim,
erschreckt durch einen Donnerschlag, mit einem heftigen Satz von
der Straße den Gehweg hochsprang. Ich vermute, dass er sich
den Schuh, diesmal hinten rechts, runter getreten hat.
Bei allen drei Verlusten
entstand kein Schaden am Schuh. Zweimal Verlieren schreibe
ich ab unter „Austestphase“ des Schuhes. Der Hersteller
selbst gibt an, dass jeder Benutzer mit der Spannungseinstellung
seiner Renegades experimentieren muss, um zu sehen, welche
Spannung für die Bewegungsform des Pferdes, das Reittempo
und die Bodenverhältnisse am besten passt.
Wie bereits gesagt,
auch beim Losschießen wie aus der Startbox hält der Renegade!
Wenn es an den wirklich „heftigen Renntagen“ hinter
uns prasselt, sind das nur Schottersteine, die durch die Luft fliegen!!
Auch wenn wir über
Wirtschaftswege den Berg hochklettern oder uns durch tiefes Unterholz
arbeiten, bleibt der Schuh am Huf. Manchmal wird dabei ein Klettriemen
aus der Gummischlaufe gezogen, was aber den Halt des Klettes nicht
beeinträchtigt. Gharim ist wegen des Renegade nicht ein einziges
mal hängen geblieben oder gestrauchelt.
Die letzten Tage der
Testzeit waren die Schuhe oft nass. Doch der Halt insbesondere auch
der Klettriemen bleibt gewährleistet. Vor wenigen Tagen gerieten
wir beim Durchqueren von Unterholz in ein regelrechtes Schlammloch,
aus dem Gharim mit einem riesigen Satz heraussprang. Schuhe dran!
Je besser ich die Renegades
und ihre Handhabung an unseren Hufen kenne, um so seltener kommt
der Kontrollblick – alles noch dran?
Wir wollten auch noch ausprobieren, ob der Fesselriemen lediglich den Ballenhalter in seiner Position hält oder entgegen den Angaben von Kirt Lander den Ballenhalter am Huf hält, also Druck auf den Ballen ausübt. Ich habe den Fesselriemen kurzerhand komplett abgebaut, so dass der Zehenriemen alleine den Renegade am Huf halten musste. Schritt, Trab und langsamer Galopp an der Hand und der Schuh bleibt in seiner Position. Auch wenn die Riemen locker verspannt sind, war es mir nicht möglich, den Schuh am Huf zu drehen, zu bewegen oder abzuziehen. Verschleiß und Haltbarkeit Laut Hersteller hält
der Schuh bis zu 1000 km. Die Renegade Hufschuhe zeigten bei uns
erst nach einigen Ritten die ersten Benutzungsspuren. Nach vier
Monaten sieht man an unseren Renegades nun die üblichen Benutzungsspuren.
An den Schuhen der Vorhand beträgt das Profil auch nach vier
Monaten, in denen wir größtenteils Asphalt und Schotter
unter den Hufschuhen hatten, immer noch 5 mm. An der Vorhand wurde
eine deutliche Zehenrichtung angelaufen.
An
den Renegades für die Hinterhand ist das Profil im Zehenbereich
sehr deutlich abgenutzt und kaum mehr vorhanden.
Dies liegt im erwarteten
Bereich, Gharim geht mit sehr aktiver Hinterhand und wir reiten
oft steile Wegstrecken. Diese starke Abnutzung hatten wir auch am
zuvor benutzten EasyBoot Bare, die nach sechs Monaten hinten völlig
abgenutzt und an der Zehe durchgelaufen waren. Beim Marquis Supergrip
musste ich die Sohlen alle 8 – 10 Wochen auswechseln. Trotz
kaum noch vorhandenem Profil an der Zehe des Renegade ist der Grip
des Schuhes gleichbleibend gut, so dass ich mit vergleichbarer Abnutzung
wie beim EasyBoot Bare rechne.
Alle Klettverschlüsse sind nach den vier Monaten noch in einem sehr guten Zustand. Keine Fäden gezogen und nichts ausgeleiert. Die Neoprenpolster zeigen leichte Benutzungsspuren und sind auch nach vielen Reinigungen noch genauso weich wie am ersten Tag.
Ich vermute, dass der
„Hufschuhdoktor“ Theo Rüspeler den Renegade neu
besohlen kann. Ob der Schuh dann noch das gleiche Laufverhalten
zeigt, bleibt abzuwarten. Ich werde berichten, sobald dieser Fall
eingetreten ist.
Für welche Hufe geeignet? Wir haben den Renegade
Hufschuh an einer Vielzahl von unterschiedlichen Hufen getestet.
Dazu gehörten auch viele, die man gemeinhin als Problemhufe
bezeichnen würde. Durch das weiche Material passt der Renegade
auf sehr viele Hufformen. Dennoch ist er besonders für rundliche
Hufe mit niedrigen Trachten, gestrecktem Wandverlauf und kurzer
Zehe mit Mustang Roll konzipiert (Trachtenlänge 2 – 4
cm, Zehenlänge 7 - 8 cm). Daher ist er auch am besten für
Hufformen geeignet, deren Huflänge höchstens einen Zentimeter
länger als die Hufbreite ist.
Sind die Hufe kurz und rund (Huflänge und Hufbreite sind identisch/Huf breiter als lang) und das Ende des Renegades steht an den Vorderhufen über, sollte er mit dem Nipper gekürzt werden, um zu verhindern, dass das Pferd sich mit dem Hinterhuf in den Schuh tritt und ihn dabei abreißt. Sind die Hufe insgesamt, besonders an den Trachten, zu hoch, wird der Renegade problematisch. Dies war in der Testphase feststellbar. Der Huf rutscht dann bei hohem Tempo aus dem Schuh. Ich denke, dass gerade bei Zwanghufen mit hohen Trachten der Renegade ungeeignet ist, da man den Ballenhalter nur schwer oder gar nicht über die Ballen ziehen kann. Gharims Hufmaße
liegen knapp unter den angegebenen Maßen des Herstellers und
die Kabel mussten nicht justiert werden. Weichen die Hufmaße
von den Maßangaben des Herstellers deutlich ab, ist die Anpassung
des Renegade Hufschuh sehr anspruchsvoll und diese sollte dann unbedingt
einem Hufschuh erfahrenen Experten überlassen werden.
Vor der Anpassung sollten die Hufe – wie immer - frisch bearbeitet sein, die Kanten der Hufe sollten gebrochen werden. Und wie bei allen Hufschuhen sollten die Maße der Hufe mit den Maßen der Schuhgröße übereinstimmen. Auch wenn die leichte Handhabung und machen vielleicht sogar die knalligen Bonbonfarben des Renegades noch so sehr verlockend scheinen. Preis Der Renegade Hufschuh
kann gegenwärtig zu sehr unterschiedlichen Preisen erstanden
werden. Diese bewegen sich (heute am 16.10.08) zwischen 199 €
und 249 €. Im ersten Falle inkl. MwSt., was im zweiten Fall
nicht angegeben wird (ist der etwa noch teurer?). Die Klettriemen
kosten etwa 5 €, ein Ballenpolster etwas über 10 €,
das Ersatzkabel zur Justierung 9,90 € und unbezahlbar viele
Nerven.
Fazit Kirt Lander hat mit
dem Renegade seine Ziele erreicht! Er entwickelte einen Hufschuh,
der in der Handhabung einfach ist und die Biomechanik berücksichtigt
beziehungsweise unterstützt. Design und Beschaffenheit
seines Hufschuhs respektieren das weiche Gewebe der Hufkapsel.
Der Sitz des Renegade ist ausgezeichnet, wenn er denn erst
einmal angepasst ist. Doch Achtung, wehe er passt nicht. Modifizierung
kann ein Erlebnis werden, das man nicht haben möchte.
Ohne Experten geht hier nichts. Schmutzunempfindlichkeit und
Tragekomfort für das Pferd sind mehr als vorbildlich.
Der Abrieb ist im gängigen Rahmen. Sein Grip ist überragend.
Vor allem aber: Gharim hat ein Laufverhalten bekommen, das
einen nur noch staunen lässt.
Ich persönlich
bin von der Arbeit und der Leistung von Kirt Lander sehr beeindruckt!
Man merkt, dass dieser Mann Erfahrung mit Hufen, Distanzritten
und arabischen Pferden hat. Der Renegade Hufschuh ist hervorragend
für den aktiven Freizeitreiter geeignet, der auch bei
ungünstigen Bodenverhältnissen unterwegs ist und
auch mal „durch den Busch“ reitet. Endlich ein
Hufschuh für das Distanz- und Vielseitigkeitspferd, der
viel Tempo auf langen Strecken mitmacht, ohne das Pferd in
der Bewegung einzuschränken oder zu ermüden. Ich
teile die Hoffnung des Herstellers, dass es durch den Renegade
mehr Pferden möglich sein wird, barhuf zu gehen. Denn
viele haben das Thema Hufschuhe bisher gescheut, weil die
Schuhe entweder zu schwer anzuziehen sind, scheuerten oder
der Halt an den Hufen schlecht war. Aus diesem Grund wünsche
ich mir, das es den Renegade in der Zukunft über die
Größe 2 hinaus geben wird.
Bezugsquellen Hersteller:
Lander Industries
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